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Pilatushaus Oberammergau Bayern Deutschland

Alte Häuser – Pilatushaus in Oberammergau – Geschichte

PILATUSHAUS

Ludwig-Thoma-Str.10

Einzelhaus, unteres Dorf, abgebrannt 26.1.1774

Fresken von Frank Seraph Zwinck, 1784

 

Pilatushaus Oberammergau Bayern Germany

Geschichte:

1722 taucht das Gebäude zum ersten Mal in den Akten auf. Damaliger Besitzer ist die Familie Echtler, die u. a. Köche im Kloster Ettal und Metzger waren. Später lebten in diesem Haus Händler und Kaufleute (Namen und Familien im *Fußnote, falls interessant!)

Am 26.1.1774 brannte das Haus nieder, ein Jahr darauf war der Neubau fertig und 1784 malte Franz Seraph Zwink die Fresken, die dem Haus in unserer Zeit seinen Namen geben sollten.

1859 Joahnn Evangelist Lang (1798-1874), der Freund des Pfarrers J. A. Daisenberger kauft das Haus in 1859 von seinem Bruder Eduard Lang (1828-1859). Er ist Bürgermeister, Spielleiter und Kaiphas-Darsteller der Passionsjahre 1860-1870/71-1880-1890. Nach ihm wird das Haus „Bürgermeisterhaus“ genannt.

1909 Umbau von Stall und Tenne in ein Erholungshaim für „Leichtkranke und Rekonvaleszenten“ durch den Arzt und Sanitätsrat Dr. Anton Lang. Architekt war der der Münchner Franz Zell, der auch die Schnitzschule und das Heimatmuseum baute.

1910 Restaurierung der Fresken und Ergänzung der Nord-und Westfassade durch den Maler Franz Hartmann.

1935 Verkauf der Hauses an die Druckerei Uhlschmid

1940 Vermietung an die Heeresstandortverwaltung als Büroräume

1960 Restaurierung der Fresken durch den Kunstmaler Ludwig Magnus Hotter aus Marktoberstdorf.

1970 Die Gemeinde Oberammergau kauft das Haus mit der Absicht, darin das Heimatmuseum einzurichten.

1970 bis 1980 Stetiger Verfall des Hauses und insbesondere der Fresken infolge Feuchtigkeitseinwirkung und Nachlässigkeit.

1981 Gründung des Freundeskreises Pilatushaus e. V. zur Rettung, Sanierung und Nutzung des Hauses.

1981 sollte das Pilatushaus abgerissen werden, um Raum für einen Parkplatz zu schaffen. Mit Hilfe von den Medien und Denkmalschutz gelang es Annelies Buchwieser und ihren engagierten Mitstreitern das Haus zu retten.

1982 bis 1986 Sanierung, Umbau und Restaurierung mit enormem Kostenaufwand (ca. 2 Mill. DM) durch die Gemeinde Oberammergau. Restaurator der Fresken Josef Lorch aus Füssen.

Ab 1986 steht das Pilatushaus als Zentrum des heimischen Kunsthandwerks und für Ausstellungen, Tagungen und Kongresse der Öffentlichkeit zur Verfügung. Im Erdgeschoss ist eine „Lebende Werkstatt“ und ein Handwerkerladen eingerichtet.

Aktuell, neben dem „Lebende Werkstatt“, ist Pilatushaus auch Sitz der Gemeindeverwaltung.

Pilatushaus Oberammergau Bayern Bavaria

In dem Oberammergauer Gemeindearchiv gibt es spannende Erzählungen zu dem Haus aus dem 19. Jh. und zwar aus dem Gästebuch des Pilatushauses aus den Jahren 1870 bis 1890. Dort sind viele interessante Beiträge zu finden!

Der wohl bedeutendsten Eintrag in diesem Buch datiert vom 21./22. August 1880.

Damals besichtigte der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm das bayerische Truppenmanöver auf dem Lager Lechfeld und reiste anschließend zu den Passionsspielen in Oberammergau. Mit kleinem Gefolge traf der Kronprinz in Oberammergau ein, um im Hause Lang Quartier zu nehmen. Johann Lang, auch Bürgermeister zu der Zeit, begrüßte den Gast und machte ihn auf die vorspringende Balustrade im ersten Stock des Pilatushauses aufmerksam, damit er sich nicht daran stoße.

Darauf antwortete der Kronprinz: „Mein lieber Bürgermeister, wir sogenannten Großen der Erde müssen uns öfter beugen, als man denkt“. Acht Jahre später bestieg Friedrich Wilhelm den deutschen Kaiserthron. Nach nur 99tätiger Regierungszeit starb er an einem Kehlkopfleiden.

Weiter haben sich im Gästebuch verewigt Erzherzogin Stephanie von Österreich, Herzog Adolf Wilhelm von Nassau, Georg II., Herzog von Sachsen Meitingen, Prinz Alfred von Großbritannien mit seinen Töchtern, den Prinzessinnen Marie, Victoria und Alexandra sowie der französische Marquis de Bassano. Auch der bayerische Innenminister Freiherr Max von Feillitzsch logierte am 18. Juli 1880 im Pilatushaus.

Drei Häuser werden in der Zeit um 1870 immer wieder erwähnt, in denen Großen der Welt Unterkunft fanden. Das Verlagsaus Lang am Dorfplatz, die Villa von Sebastian Zwink in der Faistenmantlgasse und das Pilatushaus. Eigentümer des Hauses war damals, wie schon erwähnt, Johann Lang, Gemeindevorsteher von 1866 bis 1869 und Bürgermeister von 1876 bis zu seinem Tod am 17.6.1900.

Johann Lang schrieb auch Passionsgeschichte. Von 1860 bis 1890 spielte er den Kaiphas, 1880, 1890 und 1900 war er Spielleiter.

Einen kurzen, aber bedeutenden Eintrag findet man auf Seite 7 des Gästebuches. Mit Bleistift ist nach dem 25. Juni 1870 das Work „Krieg“ vermerkt. Im Juli 1870 brach der Krieg zwischen Deutschland und Frankeich aus, die Passionsspiele wurden abgebrochen und im Jahr 1871 fortgesetzt.

Dieses äußerst wertvolle Gästebuch konnte die Gemeinde Oberammergau bei einer Versteigerung in München für damals 320 Mark erwerben.

Pilatushaus ist das wohl bekannteste Lüftlmalerei-Haus in Oberammergau und der Name kommt durch die wunderschönen perspektivischen Fresken des Lüftlmalers Franz Seraph Zwink (1748 – 1792).

 

Quellen: Text und alte Bilder sind von dem Gemeindearchiv Oberammergau. Sonstiges Bildmaterial: nur eigene Bilder, die urheberrechtlich geschützt sind.

*Fußnote:

Hausname:„Schmidl“ (1775), „Gutermann“ (1806, 1810, 1829), „Klepper Peter“ (1862)

Hoffuß: 1/8 (1752/60, 1775), 1/12 (1806, 1810)

Hofgröße: 21 Tagw 28 Dez (1829)

Grundherr: Kl. Ettal (1752/60, 1775)

Gerechtigkeit: halb Zinslehen, halb Freistift (1752/60), halb Lehen, halb Freistift (17759; Lehenhut (1806)

– (1810): 1/12-Gutermannhof; Haus u. Garten ludeigen u. grundzinsbar zur Ortspfarrei; 1 Ettaler ½ Viertel

ludeigen und grundzinsbar zum Rentamt und zur Filialkirche Kappel; 1 weiteres Ettaler Viertel

ludeigen u. grundzinsbar zum Rentamt

– (1829): das ½ Viertl Ettaler Lehen; das 2. ½ Viertl Ettaler Lehen, zur Pfarrk. jährl. Jahrtagsgeld 6 fl 40 xr

Plan Nr.203a. Wohn- u. Nebengebäude, 203b. Gras- u. Wurzgarten (1829)

1632Tauschbrief vom 4.2.1632

Steffan Echtler ettal. Unterkoch 1625

Andre Echtler Metzger

1722 Andreas Echtler. [StR 1722/116]

Andre Echtler (Andreas Echtler (*7.11.1682) <Andreas E. oo Anna>

1724 Anton Mangoldt d.

Anton Mangoldt (Anton Mangold (*10.1.1688) <Gregor M. oo Cath.> oo 1724

1731 Antoni Mangoldt. [StR 1731/116]

1740 Antoni Mangoldt vor Andree Echtler. [StR 1740/114]

1740 Anton Mangoldt / Martin Guet. [DG 1740/152]

1749 Martin Gut d.

Martin Gut ( -21.2.1766) < Gut, Wurmesau, oo >

Martin Gut zahlt 18 fl Einkaufgeld. [GR 1749/50]

oo 1749 Maria Helena Mangold (ca. 1724-10.4.1793) <Anton Mangold oo Echtler/Brand)

1752 Antoni Mangold jetzt Martin Gut. [C 1752/114]

1767 Joseph Anton Plaikner, Händler, Kaufmann, d.

Joseph Anton Plaikner ( – Neisse 19.4.1777)

oo 13.1.1767 Ww Maria Helena Gut (ca. 1724-1793) geb. ?

1769 Joseph Anton Plaikner, 3 Kühe. [VR 1769/70- 1773/74]

1774 Joseph Anton Plaikner. – Haus abgebrannt am 26.1.1774. – 1775 Neubau fertig.

1775 Martin Gut, jetzt Joseph Anton Plaichner

Erbaut durch den Verleger Andreas Lang (1739-1807) und dessen Bruder Anton Lang (1746-1794)

1784 Bemalt durch Franz Seraph Zwinck

Spätere Eigentümer:

1798 Peter Lang (1779 – 1864) zum „Klepper Peter“

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